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Beobachtungen zur Verlaufsgestaltung klassischer Sonatenexpositionen (2023)

Felix Baumann, „Beobachtungen zur Verlaufsgestaltung klassischer Sonatenexpositionen“, in: Notation. Schnittstelle zwischen Komposition, Interpretation und Analyse. 19. Jahreskongress der Gesellschaft für Musiktheorie, Zürich 2023, S. 509-529.

 

ABSTRACT
Musikkundige wissen, dass das Seitenthema einer klassischen Sonatenexposition in Dur in der Oberquinttonart steht. Weniger oder gar nicht bekannt ist, dass sich einhergehend mit der harmonischen Modulation eine rhythmische Intensivierung vollzieht, womit der Prozess der Modulation als ein dramatischer wahrgenommen wird. Diese mit einer inneren Beschleunigung einhergehende Differenzierung der musikalischen Textur erfährt oft eine Zuspitzung vor dem Abschluss der Exposition. In den musiktheoretischen Schriften wird diesem Gegenstand bisher wenig Beachtung geschenkt. Immerhin finden sich bei James Hepokoski und Warren Darcy und vor allem bei Charles Rosen Ansätze einer adäquaten Beschreibung, die hier entwickelt und ausgeführt werden. Anhand der frühen Haydn’schen Klaviersonaten wird in diesem Aufsatz das Phänomen beschrieben und nachvollziehbar gemacht. Gleichzeitig möchte der Beitrag die Diskussion darüber anregen, was dieser Befund für das Verständnis, die Analyse, das Nachschaffen und die Interpretation von Sonatensätzen seit der Wiener Klassik beitragen kann.

 

Download: https://www.gmth.de/proceedings/artikel/276.aspx